Studie: IT-Barometer der agentes AG – Eindeutiger Handlungsbedarf in der Finanzbranche konstatiert

Studie: IT-Barometer der agentes AG – Eindeutiger Handlungsbedarf in der Finanzbranche konstatiert

2017-05-26T11:04:13+00:00 12. Juli 2010|Kategorien: Studien|Schlagworte: , |

Interview mit Dr. Raimund Wiedemann, Vorstand agentes AG

Die unflexible Banken-IT ist nach wie vor eines der größten Innovationshemmnisse in der Bankenlandschaft. Dabei wird die Qualität der Banken-IT künftig entscheidender Hebel zur Profitabilität sein.

Dr. Wiedemann erläutert in unserem Spotlight, welche Rolle die IT für die Finanzbranche künftig spielen wird und welche Anforderungen in dem Zusammenhang auf die IT-Dienstleister zukommen werden.

Herr Dr. Wiedemann, die agentes AG befragt halbjährlich über 100 Entscheider aus Banken und Versicherungen zu aktuellen Themen der Finanzbranche. Was ist für Sie die wichtigste Aussage der aktuellen Welle Ihres IT-Barometers?

Kernaussage für uns ist, dass eindeutig Handlungsbedarf besteht, was die IT bei Banken und Finanzdienstleistern angeht. Nach wie vor sind die IT-Infrastrukturen bei vielen Unternehmen heterogen, über Jahre gewachsen und vor allem unflexibel. Gerade im Hinblick auf die Themen Neukundengewinnung und Bindung von Bestandskunden sieht die Mehrheit der Befragten Innovation als den Schlüssel zum Erfolg. Die IT sollte diesen Innovationen jedoch nicht im Wege stehen.

Der IT wird nicht nur im Banken- und Finanzsektor ein hoher Stellenwert beigemessen, das ist klar. Im Hinblick auf die Einschätzung der eigenen Unternehmens-IT und auch im Hinblick auf die damit verbundenen Investitionen: wo geht Ihrer Meinung nach der Trend auf Kundenseite hin?

Wir befragen nicht nur Vorstände und Geschäftsführer, sondern auch IT-Leiter innerhalb der Unternehmen. Fast zu 100 Prozent sind sich alle darin einig, dass die Qualität der IT-Lösungen mittelfristig zum entscheidenden Faktor für die Profitabilität eines Unternehmens wird. Dieser in der Tat hohe Stellenwert, den die IT dabei erfährt, spiegelt sich auch in den Investitionen wider. Für uns überraschend, sind die IT-Investitionen auf Vorjahresniveau geblieben. Das sollte aber nicht darüber wegtäuschen, dass nach wie vor enormer Handlungsdruck im Bereich der Unternehmens-IT besteht.

Sind demnach die Anforderungen an die IT bei Banken und Finanzdienstleistern gestiegen?

Ganz sicher ja. Vor allem im Softwarebereich erleben wir nahezu einen Paradigmenwechsel. Gerade in besonderen Themengebieten wie Risikomanagement oder Compliance, sind spezialisierte Anwendungen notwendig geworden, die den neuen Anforderungen Rechnung tragen und die individuell auf die Bedürfnisse der Unternehmen abgestimmt werden können. Für uns als IT-Dienstleister bedeutet dies einen verstärkten Focus auf die Entwicklung von Software.

Das Thema Softwareentwicklung geht natürlich zwingend einher mit der Ablösung von Altanwendungen. Wie sind denn Ihre Erfahrungen mit Migrationsprojekten? Wo sehen Sie da Ihre Rolle als Dienstleister?

Unsere Erfahrung ist, dass Banken und Versicherungen trotz eigener IT-Abteilungen gerade bei Migrationsprojekten gerne mit externen Dienstleistern zusammen arbeiten. Die Gründe dafür sind nicht nur die häufig unzureichenden Kapazitäten auf Kundenseite. Vor allem geht es um dezidierte Fachkenntnisse, die beispielsweise für CRM, MaRisk oder SEPA, unerlässlich sind. Wir als externer Dienstleister bringen also in erster Linie gewinnbringendes Know-how ein.
Zudem ist Customizing für uns das Zauberwort. Unternehmen, die noch immer hauptsächlich mit Standardanwendungen wie Excel arbeiten, stellen fest, dass diese an ihre Grenzen stoßen.
Für eine durchgängig IT-gestützte Wertschöpfungskette ist die Entwicklung individueller Software für die Unternehmen unerlässlich. Oftmals werden die Prozesse innerhalb der Unternehmen den durch Standardsoftware vorgegebenen Abläufen untergeordnet. Meiner Meinung nach ist jedoch die umgekehrte Vorgehensweise die effizientere. Für uns gilt: Softwarelösungen müssen auf Geschäftsprozesse abgestimmt werden, und nicht umgekehrt. Bereits vorhandene Infrastrukturen können dabei durchaus eingebunden werden.